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75 Jahre ÖJAB

Die Österreichische Jungarbeiterbewegung feiert ihr 75-jähriges Bestehen. 

  • date Monday, 13.12.2021

Mit dem Wiederaufbau des Wiener Stephansdoms 1946 begann die Geschichte einer Sozialorganisation für Jugend, Alter und Bildung.

Gegründet wurde der gemeinnützige Verein Ende 1946 von Dr. Bruno Buchwieser (1919 – 1993) gemeinsam mit jungen Bauarbeitern. Sie arbeiteten am Wiederaufbau des durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Wiener Stephansdomes und adaptierten eine Bombenruine in der nahen Himmel­pfortgasse zu ihrem Wohnheim.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die ÖJAB zu einer Jugendorganisation und einer gemeinnützigen NGO, die heute 650 hauptamtliche MitarbeiterInnen beschäftigt. Ihre zentralen Aufgaben sind Wohnheime für junge und alte Menschen, stationäre und mobile Pflege, Ausbildung, Integration benachteiligter Menschen, europäische Bildungsprojekte und Entwicklungszusammenarbeit.

 

  • „Unser Ziel war es immer, flexibel Hilfe zu leisten, wo es die Gesellschaft benötigt. Die Vielfalt unseres sozialen Engagements entstand, weil wir kommende gesellschaftliche Entwicklungen früh erkannten und danach handelten. Auch heute ist das so, etwa wenn wir in die Pflegeausbildung investieren. Ein Grundsatz unserer Arbeit ist, parteipolitisch unabhängig zu bleiben und alle zur Zusammenarbeit einzuladen.“
    ÖJAB-Präsident Wilhelm Perkowitsch
Historische Fotografie des zerbombten Stephansdoms 1946.Mit dem kriegszerstörten Wiener Stephansdom begann 1946 die Geschichte der ÖJAB.

Junge Menschen und Bildung, dann auch SeniorInnen

Seit 1946 bietet die ÖJAB jungen Menschen an deren Ausbildungsort einen leistbaren Wohnplatz, an welchem sie überdies eine familiäre Gemeinschaft finden und Lebenserfahrungen sammeln können. Heute geschieht dies in 21 Studierenden- und Jugendwohnheimen.

Um benachteiligten jungen Menschen durch eine Ausbildung zur Selbständigkeit zu verhelfen, gründete die ÖJAB vor über 50 Jahren das Berufspädagogische Institut (BPI) und begann vor 20 Jahren mit der Fördermaßnahme AusbildungsFit des Sozialministeriums. In beiden Einrichtungen, an insgesamt acht Standorten, finden jährlich rund 2.000 Jugendliche und Erwachsene persönliche Unterstützung, Berufsorientierung und berufliche Qualifizierung. Auf europäischer Ebene wird dazu in verschiedenen Initiativen zusammengearbeitet, nachdem die Jungarbeiterbewegung schon in den 1950er Jahren für die Vision eines vereinten Europas eingetreten war.

KursteilnehmerInnen in den Werkstätten des BPI der ÖJAB - Ausbildungszentrum Wien.Seit über fünf Jahrzehnten unterstützt die ÖJAB Jugendliche und Erwachsene durch Berufsorientierung und Berufsausbildung. Im Bild Lehrlinge in der Werkstatt für Glasbautechnik am Berufspädagogischen Institut der ÖJAB in 1120 Wien.

Ab 1961 holte der Verein Jugendliche aus Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, zur Ausbildung nach Österreich. Dies war der Anfang der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit mit dem westafrikanischen Land. Mit dem Schuljahr 1969/70 ging in der Hauptstadt Ouagadougou eine ÖJAB-Fachschule für Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik in Betrieb, an welcher heute über tausend Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Heute verfolgt die Non-Profit-Organisation in ihrer Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen: vor allem Berufsausbildung nach dualem österreichischem Vorbild und Wasser-, Sanitäts- und Hygiene-Versorgung.

1965 begann die ÖJAB eine bis heute andauernde Kooperation mit der japanischen Jugendorganisation YUAI, die auf der völkerverbindenden Ethik Richard Coudenhove-Kalergis aufbaut. Video-Grußbotschaft des ehemaligen Premierministers von Japan und heutigen YUAI-Präsident Yukio Hatoyama.

Burkinischer Mann stehend neben Dusche im Freien.Seit sechs Jahrzehnten leistet die ÖJAB Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso im Westen Afrikas.

Seit dem Ende der 1970er Jahre pflegt der zuvor ausschließlich als Jugendorganisation tätige Verein auch Seniorinnen und Senioren. Anlassgeber war hier erneut der akute gesellschaftliche Bedarf. Heute betreibt die ÖJAB drei Pflegewohnhäuser in Wien, Güssing und Salzburg und Hauskrankenpflege in Wien. Mit einer 2020 gegründeten Pflegeschule wird dem Pflegekräftemangel und der Arbeitslosigkeit begegnet.

 

  • „Unser Ziel ist, dass Menschen lernen, ihr Leben unabhängig von der Lebenssituation und vom Alter selbständig zu meistern. Allen uns anvertrauten Menschen bieten wir das Zuhause und die Zugehörigkeit, welche für Wachsen, Lernen und Reifen notwendig sind. Werte wie Respekt, Gleichberechtigung, Authentizität und Nächstenliebe werden in unseren Einrichtungen vermittelt und gelebt.“
    ÖJAB-Geschäftsführerin Monika Schüssler
Pflegerin mit Bewohnerin einer Wohn- und Pflegeeinrichtung der ÖJAB.Seit vier Jahrzehnten pflegt die ÖJAB auch Seniorinnen und Senioren in heute 3 Pflegewohnhäusern.

Seit dem Tod des Gründerpräsidenten Bruno Buchwieser 1993 setzen Nachfolgegenerationen sein Lebenswerk fort. Sein Nachfolger als Präsident wurde Peter Zehndorfer. Eduard Schüssler baute das wirtschaftliche Fundament der ÖJAB und Wilhelm Perkowitsch vergrößerte die ÖJAB kontinuierlich, beide jeweils zunächst als Geschäftsführer, dann als Präsident. Seit 2014 festigt Geschäftsführerin Monika Schüssler diesen Kurs und setzt weitreichende Professionalisierungen und Modernisierungen um. Sie erweitert die ÖJAB kontinuierlich um soziale Betätigungsfelder und sichert die Zukunft der ÖJAB vielschichtig ab.  

Außenaufnahme des ÖJAB-Hauses Niederösterreich 1.Das neueste der 21 Studierendenwohnheime der ÖJAB ist das generalsanierte ÖJAB-Haus Niederösterreich 1 in 1020 Wien.

Grußbotschaft von Yukio Hatoyama zum ÖJAB-Jubiläum

Mit einer Video-Grußbotschaft gratuliert Yukio Hatoyama als Präsident der japanischen YUAI Foundation der ÖJAB zu ihrem 75-jährigen Bestehen.

Yukio Hatoyama war von 2009 bis 2010 Premierminister Japans. Sein Großvater Ichirō Hatoyama war ebenfalls Premierminister und hat die YUAI 1953 gegründet.

YUAI und ÖJAB sind seit 1965 Schwesterorganisationen und arbeiten eng zusammen.

Die YUAI Foundation basiert auf der völkerverbindenden Ethik Richard Coudenhove-Kalergis und setzt sich überparteilich für Völkerverständigung und Mitmenschlichkeit ein.

 

  • „Herzlichen Glückwunsch zum 75-jährigen Bestehen der ÖJAB! Ich gratuliere Ihnen allen von ganzem Herzen zu diesem besonderen Jubiläum. Für das, was Sie auf vielen Gebieten getan haben, empfinde ich große Hochachtung und Dankbarkeit. In diesem Sinne hoffe und wünsche ich, dass Sie alle bei der ÖJAB weiterhin auf diesen Gebieten tätig bleiben und schon jetzt erfolgreich auf ein 100-jähriges Jubiläum hinarbeiten. Ebenso hoffe ich, dass die Verbindung zwischen der ÖJAB und YUAI weiterhin so stark bleibt wie bisher und noch lange andauert!“ 
    Yukio Hatoyama, 
    Präsident der YUAI Foundation 
    Japanischer Premierminister a.D. 
Yukio Hatoyama, Präsident der YUAI FoundationYukio Hatoyama, Präsident der YUAI Foundation
Logo der YUAI FoundationLogo der YUAI Foundation